Governance-Silos in der Pflege
Warum langzeitarbeitslose Pflegekräfte draußen bleiben – obwohl wir sie dringend brauchen
Die Pflege steckt im Ausnahmezustand. Personalmangel ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern Alltag. Stationen werden geschlossen, Betten gesperrt, Teams überlastet.
Und gleichzeitig gibt es eine unbequeme Wahrheit: Tausende langzeitarbeitslose Pflegekräfte würden gerne arbeiten — und dürfen es faktisch nicht. Nicht, weil sie ungeeignet wären. Sondern weil Systeme nicht miteinander sprechen.
Ein Widerspruch, den wir uns leisten — aber nicht leisten können
In Deutschland sind zehntausende Menschen mit Pflegeerfahrung langzeitarbeitslos. Pflegehilfskräfte ohne Abschluss. Menschen mit abgebrochener Ausbildung. Pflegekräfte, die aus Überlastung ausgestiegen sind — und später nicht mehr zurückfinden.
Viele von ihnen sagen: „Ich würde sofort wieder in der Pflege arbeiten — unter anderen Bedingungen."
Doch zwischen diesem Wunsch und dem tatsächlichen Einsatz stehen Governance-Silos: Arbeitsmarktlogik hier, Pflegelogik dort. Förderinstrumente hier, Personalbudgets dort. Zuständigkeiten sauber getrennt — Verantwortung nicht.
Pflege wird geregelt — aber nicht verbunden
Pflege ist heute eines der am stärksten regulierten Systeme. Und gleichzeitig eines der am schlechtesten vernetzten. Jobcenter fördern Beschäftigung, aber nicht Versorgung. Pflegebudgets finanzieren Versorgung, aber keine Übergänge. Träger begleiten Menschen, aber ohne Zugriff auf Personalplanung.
Besonders deutlich wird das bei Pflegehilfskräften ohne formalen Abschluss. Sie haben Erfahrung, Beziehungskompetenz, Praxiswissen — aber keinen „passenden Status". Seit neuen Regularien werden ihre Einsatzmöglichkeiten weiter eingeschränkt.
Was sich ändern muss
Wir brauchen keine neuen Gesetze. Wir brauchen Verbindungsstellen zwischen bestehenden Systemen. Menschen und Strukturen, die zwischen Jobcenter, Pflegeeinrichtung, Qualifizierungsträger und Inklusionsamt vermitteln. Und wir brauchen den politischen Willen, Inklusion nicht als Kostenproblem zu behandeln — sondern als Investition in die Versorgungsqualität.
Das ist der Kern dessen, woran ich arbeite. Mit Purpose, Pulse, People als Framework. Und mit dem Ziel, bis 2030 ein funktionierendes Modell für Berlin zu entwickeln.

