Altersdiskriminierung vs Pflegenotstand

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Es gibt ein Thema, das in der Pflegepersonaldebatte kaum vorkommt: Altersdiskriminierung. Nicht Diskriminierung gegen ältere Pflegebedürftige — das wird diskutiert. Sondern Diskriminierung gegen ältere Pflegekräfte.

Die unsichtbare Barriere

Pflegekräfte ab 55 — manchmal schon ab 50 — haben es auf dem Arbeitsmarkt schwerer. Nicht weil ihre Kompetenz nachgelassen hat. Sondern weil Arbeitgeber Angst vor Ausfallzeiten haben. Weil Gehaltsstrukturen teurer werden. Weil man lieber auf jüngere setzt, die man formen kann.

Das ist kurzsichtig. Und im Kontext des Pflegefachkräftemangels ist es absurd.

Wir beklagen den Pflegenotstand — und schicken gleichzeitig erfahrene Pflegekräfte in die Frühverrentung.

Was das mit Inklusion zu tun hat

Inklusion bedeutet nicht nur, Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund einzubeziehen. Es bedeutet, jeden Menschen nach seiner Wirkung zu bewerten — nicht nach seinem Alter, seiner Biografie oder seinem Status. Ältere Pflegekräfte bringen etwas mit, das kein Studiengang lehrt: Erfahrung, Gelassenheit, Relationskompetenz.

Wer den Pflegenotstand wirklich lösen will, muss alle Potenziale aktivieren. Ohne Ausnahme. Ohne Altersgrenze.

Das ist meine persönliche Perspektive aus dem Alltag als stellvertretende Pflegedienstleitung in Berlin. Ich freue mich über Rückmeldungen — konstruktiv oder kontrovers.

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